BITmarkets Team
Jun 08, 2026
Die am Donnerstag angekündigte Initiative wird in Zusammenarbeit mit dem Stablecoin-Infrastrukturanbieter Brale und dem Canton Network durchgeführt, einer genehmigungsbasierten Blockchain-Plattform, die von mehreren großen Wall-Street-Instituten unterstützt wird. Im Rahmen des Proof-of-Concept nutzen die Unternehmen SBC, einen von Brale ausgegebenen, durch den US-Dollar gedeckten Stablecoin, um institutionelle Zahlungsaktivitäten zu simulieren. Ziel ist es, zu evaluieren, ob SBC letztendlich in das wachsende Stablecoin-Abwicklungsprogramm von Visa integriert werden könnte.
Das Projekt baut auf früheren Stablecoin-Experimenten von Visa auf, die 2021 mit USDC-Abwicklungen auf der Ethereum-Blockchain begannen. Während sich diese Bemühungen auf öffentliche Netzwerke konzentrierten, richtet sich die neueste Initiative an Banken und Finanzinstitute, die die Effizienz der Blockchain nutzen möchten, ohne Transaktionsdetails, Gegenparteien oder Geldflüsse in transparenten öffentlichen Ledgern offenzulegen.
Visas neuestes Experiment kommt zu einer Zeit, in der Stablecoins ihre traditionelle Rolle innerhalb der Kryptowährungsmärkte immer weiter ausweiten. Laut einem am Donnerstag von S&P Global Ratings veröffentlichten Bericht hat die weltweite Ausgabe von Stablecoins in verschiedenen Währungen bereits 300 Milliarden US-Dollar überschritten. Während der Großteil der Nachfrage nach Stablecoins weiterhin mit Krypto-Handelsaktivitäten verbunden ist, erwarten Analysten eine breitere Akzeptanz in den Mainstream-Finanzdienstleistungen.
Der Bericht stellte fest, dass zahlungsorientierte Stablecoins, die dem „Guiding and Establishing National Innovation in US Stablecoins (GENIUS) Act“ entsprechen, zunehmend für Händlerzahlungen, Überweisungen und kommerzielle Transaktionen genutzt werden könnten, sobald der regulatorische Rahmen fertiggestellt ist.
Grenzüberschreitende Zahlungen gelten weithin als eine der vielversprechendsten Anwendungen in naher Zukunft. Obwohl internationale Überweisungen auf Basis von Stablecoins derzeit nur einen kleinen Teil des globalen Zahlungsvolumens ausmachen, nimmt ihre Nutzung weiter zu, da Institutionen nach schnelleren und kostengünstigeren Abwicklungsmethoden suchen.
Im Mittelpunkt des Projekts steht das Canton Network, eine von Digital Asset entwickelte Blockchain-Infrastruktur, die speziell für den institutionellen Einsatz konzipiert wurde. Das Netzwerk verbindet genehmigungsbasierte Blockchain-Anwendungen, die von großen Finanzorganisationen wie JPMorgan, Goldman Sachs, BNP Paribas und der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) betrieben werden.
Im Gegensatz zu öffentlichen Blockchains, bei denen Transaktionsdaten in der Regel für jedermann sichtbar sind, gewährt Canton nur Transaktionsteilnehmern und autorisierten Aufsichtsbehörden Zugriff auf bestimmte Informationen. Gleichzeitig ermöglicht es die atomare Abwicklung über tokenisierte Vermögenswerte, bargeldähnliche Instrumente und Finanzkontrakte hinweg.
Der Proof of Concept soll untersuchen, ob die auf Datenschutz ausgerichtete Architektur von Canton schnellere und besser programmierbare Abwicklungen ermöglicht, während Institutionen gleichzeitig strenge Kontrolle über sensible Transaktions- und Abwicklungsinformationen behalten.
Für Finanzinstitute ist das Projekt mehr als nur ein technologisches Experiment. Laut S&P Global könnte eine weit verbreitete Einführung von Stablecoins letztendlich Teile der traditionellen Einnahmequellen des Bankwesens in Frage stellen, insbesondere im Zahlungsverkehr. Stablecoins könnten zudem dazu führen, dass sich ein Teil der Kundengelder von versicherten Privatkundeneinlagen hin zu stärker konzentrierten institutionellen Guthaben verlagert.
Gleichzeitig könnten Banken, die eigene Stablecoins oder tokenisierte Einlagen emittieren, durch Gebühren, Abwicklungsdienstleistungen und Refinanzierungsaktivitäten neue Ertragsmöglichkeiten erschließen. Diese Dynamik ermutigt große Finanzinstitute, datenschutzkonforme Blockchain-Netzwerke zu erkunden, die sowohl GENIUS-konforme Zahlungs-Stablecoins als auch tokenisierte Einlagensysteme unterstützen können.
Zwar haben Visa, Brale und Digital Asset noch keine weiteren Details zu künftigen Umsetzungsplänen bekannt gegeben, doch unterstreicht die Initiative das wachsende Interesse institutioneller Akteure daran, die Effizienz der Blockchain mit den Datenschutz- und Compliance-Standards zu verbinden, die im traditionellen Finanzwesen erforderlich sind.
Quellen:
https://usa.visa.com/about-visa/newsroom/press-releases.releaseId.17821.html