BITmarkets Team
Nov 03, 2025
Die Europäische Kommission plant, im Dezember Vorschläge zur Ausweitung der zentralen Aufsicht über wichtige Finanzmarktinfrastrukturen - darunter Börsen, Kryptobörsen und Clearingstellen - vorzulegen. Ziel ist es, die Fragmentierung in einem der Kernbereiche des Binnenmarktes zu beseitigen. Allerdings gibt es auch Bedenken, dass der Plan die Krypto-Innovation ins Ausland verlagern könnte.
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), die Finanzmarktaufsicht der EU, soll neue Kompetenzen in Bezug auf die Finanzmarktinfrastruktur des Blocks erhalten. Wie die Financial Times berichtet, bereitet die Europäische Kommission Pläne zur Ausweitung der zentralen Aufsicht in diesem Bereich vor.
Wenn die ESMA verabschiedet wird, wäre sie befugt, europäische Börsen, Kryptobörsen und Clearingstellen zu beaufsichtigen. Der Schritt ist Teil eines umfassenderen Bestrebens, die Wettbewerbsfähigkeit der EU gegenüber den USA zu stärken, indem den Unternehmen der Zugang zu Finanzmitteln und Größenordnungen innerhalb Europas statt jenseits des Atlantiks ermöglicht wird.
Die Finanzmärkte der EU sind derzeit fragmentiert, mit Dutzenden von nationalen und regionalen Regulierungsbehörden und Hunderten von Handels- und Nachhandelsinstitutionen. Diese Komplexität treibt die Kosten für den grenzüberschreitenden Handel in die Höhe und hindert Startups oft daran, sich in ganz Europa effektiv zu verbreiten.
Das vorgeschlagene Modell folgt dem Beispiel der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) und wird als entscheidender Schritt zur Vollendung der Kapitalmarktunion der EU angesehen.
Die Initiative wird von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihrem Vorgänger Mario Draghi unterstützt, die beide das Fehlen einer einheitlichen Aufsicht als Schlüsselfaktor für die Untergrabung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Europas bezeichnet haben.
Die Europäische Kommission beabsichtigt, den Vorschlag als Teil ihres "Marktintegrationspakets" im Dezember vorzulegen. Nach Angaben der Financial Times soll die ESMA die endgültige Zuständigkeit für Streitigkeiten zwischen großen Vermögensverwaltern erhalten und könnte bei Konflikten zwischen nationalen Aufsichtsbehörden verbindliche Entscheidungen treffen.
Dieser Schritt dürfte von Frankreich, Italien und Österreich unterstützt werden, die alle kürzlich eine stärkere zentrale Aufsicht gefordert haben. Auch Deutschland könnte sich anschließen, da Bundeskanzler Friedrich Merz seine Offenheit für die Idee geäußert hat.
Einige Experten warnen jedoch vor möglichen Komplikationen, die sich aus überlappenden Regulierungsrahmen ergeben - insbesondere zwischen der Markets in Crypto-Assets (MiCA)-Regulierung und der Payment Services Directive (PSD2). Ab März 2026 müssen Stablecoin-Emittenten sowohl eine MiCA-Lizenz als auch eine Zahlungsdienstleistungslizenz für dieselben Funktionen besitzen, wie z.B. die Verwaltung und den Transfer von Euro-Stablecoins.
Branchenexperten warnen, dass eine solche Duplizierung zu einem erheblichen Compliance-Aufwand führen könnte. So müssten Unternehmen beispielsweise kombinierte Kapitalanforderungen von 250.000 € bis 125.000 € im Rahmen von MiCA und zusätzlich 125.000 € im Rahmen von PSD2 erfüllen sowie höhere Betriebskosten für die Verwaltung zweier paralleler Rahmenwerke aufbringen. Patrick Hansen, Leiter der EU-Politik bei Circle, bezeichnete dies als "regulatorisches Eigentor" und argumentierte, dass es dem Ziel von MiCA, die Aufsicht zu harmonisieren, widerspreche.
Die laufenden Regulierungsbemühungen der EU verdeutlichen eine zentrale Herausforderung - die Balance zwischen Innovation und Investorenschutz. Befürworter sagen, dass eine zentrale Aufsicht das Vertrauen und die Stabilität stärken könnte, während Kritiker davor warnen, dass eine übermäßige Komplexität die Unternehmen zu flexibleren Märkten treiben könnte, insbesondere in den Vereinigten Staaten.
Quellen:
https://www.ft.com/content/0727d3da-d901-4074-bcde-8be675a0931f
https://www.bitget.com/news/detail/12560605043265
https://www.cryptopolitan.com/eu-puts-crypto-exchanges-under-esma/